Branchenbericht 2017

Immer auf der Suche nach neuen Ideen: Die Handarbeits-Trends 2017

Die DIY-Szene verändert sich aber deutlich. Sie wird immer vielfältiger, jünger und enger vernetzt. Gestrickt, genäht oder gehäkelt wird in der Community – mal off-, mal online. Es geht dabei um Kommunikation, Gemeinschaft und aktive Entspannung.

Gefragt sind innovative, gerne auch ungewöhnliche Ideen, sowohl bei Produkten wie auch bei Techniken oder Veranstaltungen. Das zeigt sich auch an den Marktzahlen, die der Verband Initiative Handarbeit anlässlich der international führenden Fachmesse h+h cologne (Handarbeit + Hobby, 31. März bis 2. April) in Köln bekannt gab.

Gesamtmarkt bleibt auf hohem Niveau

Der Gesamtmarkt für Handarbeitsbedarf in Deutschland wird 2016 mit 1,25 Milliarden Euro beziffert, gemessen an Endverbraucherpreisen. Das Marktvolumen bleibt damit auf einem hohen Niveau, auch wenn es leicht unter den Ergebnissen des Vorjahres liegt (2015: 1,28 Milliarden).

Nähen bleibt das Trendthema Nummer 1 mit einem Umsatz von 465 Millionen Euro allein bei Stoffen, hieß es auf der international wichtigsten Fachmesse. Dass der Näh-Boom trotz leichter Umsatzrückgänge weiter anhält, zeigen die Zahlen im Bereich der Nähmaschinen: Hier wurde eine Steigerung von 8 Millionen Euro auf 171 Millionen verzeichnet (2015: 163 Millionen).

Dazu kommen noch Kurzwaren mit einem Marktvolumen von 180 Millionen Euro. Innerhalb der Kurzwaren sind Nähgarne mit 49 Millionen Euro am umsatzstärksten, gefolgt von Hartkurzwaren (40 Millionen Euro) sowie Knöpfen (31 Millionen Euro)

Ein verändertes Strickverhalten hat sich im Bereich der Handstrickgarne auf die Umsatzzahlen ausgewirkt. Der Absatz lag in diesem Bereich 2016 bei 375 Millionen Euro (2015: 400 Millionen Euro). Ein genauer Blick auf den Garn-Markt zeigt, dass nicht weniger als bisher gestrickt wird, sondern dass, sicher auch den milderen Temperaturen Anfang Winter geschuldet, aktuell mehr Projekte mit feinen und luftigen Garnen wie Mohair und Alpaka umgesetzt werden. Für diese Projekte wird nicht nur weniger Material verbraucht als für dicke Schals und Mützen – sie sind auch deutlich länger auf den Nadeln.

Handarbeitsbranche im Veränderungsprozess

Die Branche sieht in den aktuellen Zahlen eine Konsolidierung des Handarbeitsmarkts und gleichzeitig eine Herausforderung für die kommenden Jahre, um das nach wie vor hohe Niveau auch in Zukunft halten zu können. Der Markt befindet sich in einem Veränderungsprozess: Analog zum sich immer schneller drehenden Trendkarussell im Fashion-Bereich sind auch beim Handarbeiten ständig neue Impulse gefragt, die aktuelle Strömungen aufgreifen.

Eine für die Initiative Handarbeit erstellte Trendstudie des Bundesverbands Textileinzelhandel (BTE) zeigt detailliert auf, wie sich der Markt wandelt, welche Herausforderungen auf die Branche zukommen und was Händler auch in Zukunft erfolgreich macht.

Emotional und digital: Zukunftsstrategien für die Handarbeits-Branche

Die Handarbeitsbranche profitiert laut der BTE-Experten aktuell von gesellschaftlichen Trends:

• Individualisierung und Differenzierung

• Post-Materialismus und Freizeitorientierung

• Authentizität und Nachhaltigkeit

Trendexperten fassen diese Entwicklung auch gerne mit dem Begriff „Hygge“ zusammen. „Hygge“ stammt aus dem Dänischen, ist inzwischen aber weltweit populär. Laut dem Zukunftsreport 2017 des Zukunftsinstituts geht es dabei um eine neue Wir-Kultur – es sich gemeinsam gemütlich zu machen und auch kleine Dinge bewusst zu genießen, ob den Kakao im Café oder den Strickabend mit Freundinnen. Hygge sei ein Antimodell zur flüchtigen urbanen Lebensweise – innerhalb der urbanen Lebensweise.

„Hygge“ spielt im Handarbeitsbereich definitiv eine große Rolle. Das beginnt bereits beim Einkauf der Materialien. Wichtigste Einkaufsquelle ist für die DIY-Konsumenten mit großem Abstand der Fachhandel: Dieser hat einen Anteil von 62 Prozent an den Vertriebswegen. Auf Platz zwei folgen mit 8,6 Prozent die Fachabteilungen der Kauf- und Warenhäuser. Reine Internet-Händler kommen auf einen Anteil von 6,2 Prozent.

Allerdings rechnen die Experten – wie auch im Fashion-Bereich – in den kommenden Jahren mit einer Verschiebung von Fachhändlern hin zum Internethandel. Die Prognose geht bis 2018 von einem Rückgang für den Fachhandel auf 56,1 Prozent und einem Zuwachs für Internethändler auf 12,8 Prozent aus.

Dieser Entwicklung muss die gesamte Branche aktiv begegnen, um zukunftsfähig zu bleiben.

Digitalisierung: Den Kunden überall erreichen

Konsumenten bewegen sich heute permanent im Netz und sind immer auf der Suche nach Anregungen. Fachhändler sollten entsprechend auf einer Vielzahl von Kanälen präsent sein:

• Webseite: Standard für jeden Händler – aktuell aber noch keine Selbstverständlichkeit

• Social Media: Facebook, Instagram und Pinterest bieten Konsumenten nicht nur Inspirationen und die Möglichkeit zum Austausch, sondern sind mittlerweile auch wichtige Plattformen, um Einkäufe auszulösen

• Newsletter und Blogs

• YouTube

• Multi-Channel: Stationären Handel mit Online-Handel verbinden

Emotionalisierung: Den Kunden begeistern

Individuelle Präsentationen, Innovationen, kompetente Beratung und eine angenehme Atmosphäre animieren Kunden dazu, zu Stammkunden zu werden:

• Inspirierende Sortimente, die zeitgemäß und ansprechend präsentiert werden

• Schnelles Aufgreifen von Trends und Produktinnovationen – Anlässe und Stilwelten in Szene setzen – Zusatzsortimente und DIY-Kits anbieten

• Top-Mitarbeiter: Fachkundige Beratung und Hilfestellung durch Gespräche, Kurse und Workshops – der optimale Mitarbeiter ist Experte, Kümmerer, Bedarfswecker, Entertainer und Gastgeber zugleich

• Wohlfühlatmosphäre: Gastfreundschaft, Kommunikation, Communitys schaffen – großzügige Ladenfläche und ein modernes, ansprechendes Design bieten

• Aktionen, Events und Bonus-Programme für Kunden (beispielsweise Kundenkarten, Gewinnspiele, Mailaktionen)

Fazit: Der Handarbeits-Fachhandel hat auch in Zukunft gute Marktchancen, muss aber auf die anstehenden Herausforderungen reagieren. Prof. Dr. Siegfried Jakobs stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BTE fasst es wie folgt zusammen: Engagiert bleiben, offen sein für Innovationen und sich an den vielen gelungenen Beispielen orientieren, Aktivitäten on- und offline partnerschaftlich mit den anderen Akteuren der Branche gemeinsam angehen und das bereits vorhandene Potenzial an Vernetzung noch stärker nutzen als bisher.

Die Initiative Handarbeit setzt mit ihren für 2017 geplanten Projekten diese Anforderungen bereits um:

Tag der Handarbeit

Am 10. Juni wird am Tag der Handarbeit wieder gemeinsam und öffentlich gehäkelt, gestrickt und genäht – dieses Jahr aber mit einem neuen Konzept: „Superheld machen – Superheld sein“ ist das Motto unserer neuen Charity-Aktion zugunsten der Bildungsprojekte von SOS Kinderdorf. Handarbeits-Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich auf www.initiative-handarbeit.de Anleitungen für drei coole Superhelden zum Selbermachen kostenlos herunterladen und mit einem Klick freiwillig Geld für SOS Kinderdorf-Bildungsprojekte spenden. Für jeden auf Pinterest geposteten, selbstgemachten #superhelden spendet die Initiative Handarbeit 5 Euro. Und wer seinen Superhelden verschenken möchte: Die Initiative Handarbeit sammelt die kuscheligen Spenden und übergibt sie nach Ende der Aktion an die SOS Kinderdörfer.

Mach Dein Ding

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr geht unser Taschen-Wettbewerb in die nächste Runde. Für #machdeinding2017 hat die Designerin Anke Müller vom Label cherrypicking eine raffinierte Wendetasche entworfen – und alle Handarbeitsbegeisterten sind aufgerufen, aus dem Schnittmuster ihr ganz eigenes Ding zu kreieren. Als Belohnung für die tollsten Taschen winken 500 Euro Shopping-Geld sowie zahlreichen Sachpreise.

Jungdesigner gesucht

Frischer Wind für die DIY-Branche: Die Initiative Handarbeit gibt jungen Talenten eine Chance und sucht nach Nachwuchs-Designern, die für den Branchenverband eine eigene Kollektion entwerfen. Der Wettbewerb richtet sich an Modedesign-Studenten, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und so die Möglichkeit bekommen, sich einer großen Öffentlichkeit professionell zu präsentieren.

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