Presseinformation anlässlich der h+h 2016

„Selfmade luxury“: Handarbeit als neues Statussymbol

TV-Shows wie „Geschickt eingefädelt“, eine Fülle an DIY-Büchern und der Erfolg neuer Print-Magazine rund ums Selbermachen sind der Beweis: Handarbeit hat im vergangenen Jahr nochmals einen großen Popularitätsschub erlebt und sich zu einem neuen Statussymbol entwickelt.

Das lässt sich auch an den Marktzahlen der Handarbeitsbranche ablesen, die der Verband Initiative Handarbeit anlässlich der h+h cologne (Handarbeit + Hobby, 18. bis 20. März) in Köln bekannt gab.

Der Gesamtmarkt für Handarbeitsbedarf in Deutschland wird 2015 mit 1,28 Milliarden Euro beziffert, gemessen an Endverbraucherpreisen. Das Marktvolumen ist auf einem hohen Niveau und entspricht annähernd dem des Vorjahres (2014: 1,30 Milliarden). Die Aussichten sind dank des anhaltenden Selbermachen-Trends weiter gut, hieß es auf der international wichtigsten Fachmesse.

Nähen hat Stricken als Trendthema überholt, quer durch alle Zielgruppen. Im Bereich Stoffe gab es einen Zuwachs um 6 Prozent auf 475 Millionen Euro (2014: 450 Millionen Euro).

Die Zahl der Näh-Fans ist auch 2015 wieder gestiegen, wie sich an den Verkaufszahlen im Bereich Nähmaschinen ablesen lässt: Hier gab es eine Steigerung um 8 Prozent auf 163 Millionen Euro (2014: 151 Millionen Euro). Dazu kommen noch Kurzwaren mit 185 Millionen Euro (2014: 183 Millionen Euro), die diesen Trend bestätigen.

Handstrickgarne und Stoffe machen Dreiviertel des Gesamtmarktes aus und sind die wesentlichen Träger des Wachstums der vergangenen Jahre.

Bedingt durch einen Winter, der mit wenig Schnee und kaum Frost kein wirklicher Winter war, hat der Bereich Handstrickgarne gelitten. Der Absatz lag in diesem Bereich 2015 bei 400 Millionen Euro (2014: 460 Millionen Euro). Im 5-Jahresvergleich jedoch ist auch in diesem Segment die Entwicklung durchaus positiv. Aus dem Bereich der Handstrickgarne resultiert auch der leichte Rückgang im Gesamtmarkt.

Die Branche sieht in den aktuellen Zahlen eine Marktberuhigung. Nach mehreren Boom-Jahren mit starken Zuwächsen – vor allen Dingen auch außerhalb der klassischen Vertriebskanäle der Branche – scheinen sich die Umsätze jetzt auf einem hohen Niveau zu konsolidieren. Nicht ohne Herausforderungen, denn der Gesamtmarkt steht durchaus im Veränderungsprozess. Es gilt immer wieder neue Impulse zu setzen. Dazu gehört zum Beispiel, noch stärker als bisher die ganz junge Zielgruppe für das Handarbeiten zu begeistern – mit entsprechenden Projekten, mit besonderen Aktionen und natürlich mit der Ansprache über die passenden Kanäle. Und: Es muss noch intensiver auf die sich verändernden Wünsche und Ansprüche der DIY-Konsumenten eingegangen werden. Die Initiative Handarbeit hat das renommierte Zukunftsinstitut beauftragt, im Rahmen einer Trendstudie die Motivlagen für das Selbermachen näher zu beleuchten, um daraus Schlüsse und Handlungsempfehlungen zu ziehen.

 

Weil ich es mir wert bin: Vom Luxus des Selbermachens

Selbermachen ist inzwischen weit mehr als ein Hobby – es ist eine Lebenseinstellung, die immer mehr Menschen teilen. Laut dieser DIY-Trendanalyse des Zukunftsinstituts, hat sich „Selfmade“ zu einem Statussymbol entwickelt, das für ein neues Luxusverständnis steht – jenseits von rein materiellem Reichtum. Altes Statusdenken wird abgelöst von alternativen Werten wie Zeitautonomie, individuellem Wohlergehen und Lebensqualität, so die Trendforscher.

Mehr als 18,6 Millionen Menschen stricken, häkeln oder nähen in ihrer Freizeit regelmäßig, hat die Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) 2016 ergeben. Das sind 1,6 Millionen mehr als noch 2013. Mehr denn je bestimmt die Suche nach Individualität die Ansprüche der Konsumenten. Der Do-it-yourself-Trend ist Teil dieser Entwicklung und das Selbermachen Ausdruck der neuen Werthaltung. Handarbeit wird wieder wertgeschätzt.

Dieser Wertewandel wird nach den Aussagen der DIY-Trendanalyse hauptsächlich von fünf Entwicklungen angetrieben:

DIY = Selbstbestimmung

Ob Berlin, New York oder Sydney: Die Globalisierung sorgt für ein immer einheitlicheres Angebot rund um den Erdball. Handarbeit steht für den Gegentrend zum weltweiten Einheitsgeschmack. Sie spiegelt das Bedürfnis der Menschen wider, mit den eigenen Händen etwas vollkommen Eigenes und Einmaliges zu schaffen und zu besitzen.

Von Fast Fashion zu Slow Fashion

Parallel zur Annährung des Handarbeitens an den Mainstream wächst das gesellschaftliche Bewusstsein für die neuen Qualitäten des Handmade Luxury. Handarbeit im Modebereich ist „Slow Fashion“ in Reinkultur: Für Handarbeiten muss man sich Zeit nehmen können. Das sorgt nicht nur für die von vielen ersehnte Entschleunigung, sondern auch für das gute Gefühl einer „Fair Fashion“: Wer Dinge selbst fertigt, weiß besser als jeder andere, woher die Produkte stammen, mit denen man sich umgibt.

Omline statt online: Der Trend zur Achtsamkeit

Besser statt immer mehr: Als Gegengewicht zur Beschleunigung des Alltags durch die Digitalisierung versuchen immer mehr Menschen, das „Jetzt“ wieder intensiver zu erfahren und sich auf sich selbst zu besinnen. Handarbeiten ist ebenso ein Ausdruck dieses neuen Zeitgeistes wie Yoga- oder Meditationskurse.

Der Wert des Wertvollen

Selbermachen, um Geld zu sparen: Das ist auch 2016 noch ein Motiv für DIY-Fans. Doch im Zuge von mehr Achtsamkeit und einem gestiegenen Qualitätsanspruch steigt die Bereitschaft, in hochwertige, ausgewählte und besondere Materialien zu investieren. Zum ideellen Wert kommt beim „Selfmade Luxury“ also oft auch der materielle Wert.

Kreativität trifft Können

Wer handarbeitet, wird heute nicht mehr belächelt, sondern bewundert – für Fähigkeiten, die heute längst nicht mehr selbstverständlich sind und dafür, immer wieder etwas Neues zu erlernen. Dazu kommt die hohe Wertschätzung für das individuelle Gestalten und die Kreativität, die mittlerweile als Prestigemerkmal gilt.

Ausgehend von diesen Entwicklungen hat das Zukunftsinstitut Handlungsempfehlungen für die Handarbeitsbranche formuliert, die Wandel und Wachstum weiter antreiben sollen:

– Professionalisierung fördern

– Innovationen unterstützen

– Von der Netzwerkökonomie profitieren

 

Diese Punkte spiegeln sich auch in den Projekten wider, die die Initiative Handarbeit für 2016 geplant hat:

Tag der Handarbeit

Gemeinsam stricken, häkeln und nähen für den guten Zweck: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind am 11. Juni wieder alle DIY-Begeisterten zum öffentlichen Handarbeiten aufgerufen. Im Rahmen der Charity-Aktion „Jeder macht, was er kann“ sammeln die Initiative Handarbeit und ihre Kooperationspartner handgefertigte Spenden für Kinder und Jugendliche aus wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen.

Mach Dein Ding

„1 Tasche – 1000 Möglichkeiten: Was machst Du daraus?“: Das ist das Motto unseres Näh-Wettbewerbs Mach Dein Ding. Hobby-Schneider können nach einem Basis-Schnitt eine Tasche nähen, daraus mit kreativen Ideen ihr ganz eigenes Ding gestalten und ein Wochenende in Berlin gewinnen.

Jungdesigner gesucht

Tragbar, jung, avantgardistisch und vor allem persönlich: Die Initiative Handarbeit sucht in diesem Jahr zum ersten Mal nach Nachwuchs-Designern, die für den Branchenverband eine eigene Kollektion entwerfen. Der Wettbewerb richtet sich an Modedesign-Studenten, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und so die Möglichkeit bekommen, sich einer großen Öffentlichkeit professionell zu präsentieren.

Relaunch kinitti.de: Alles für den DIY-Nachwuchs

Stricken, nähen, sticken, filzen, färben: Unsere Nachwuchs-Seite kinitti.de bietet zahlreiche tolle Handarbeits-Projekte für Kinder – und ab sofort auch eine ganz neue Optik. Mit dem Relaunch sollen noch mehr junge DIY-Fans für das Selbermachen begeistert und nachhaltig für das Handarbeiten gewonnen werden.

 

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