Pressekonferenz anlässlich der h+h 23.03.2018

Der Spaß am Selbermachen: Was Handarbeits-Fans antreibt

 Stoffe mit ausgefallenen Techniken selber färben, Wandbilder weben, ohne Nadeln nähen: Die DIY-Szene zeichnet sich durch eine immer größer werdende Lust am Ausprobieren aus. Nähen und Stricken liegen nach wie vor unangefochten vorne – doch inspiriert durch Freunde, Handarbeits-Events und das Internet beschäftigt sich eine wachsende Zahl von DIY-Fans zusätzlich mit neuen Materialien und Techniken.

 

Professionelle Ergebnisse sind wichtig. Vor allem aber zählt beim Selbermachen der Spaß am Projekt und die Möglichkeit, eine kurze Auszeit vom Alltag zu nehmen. Das zeigt die aktuelle Studie „Nutzungsverhalten Handarbeit“, die der Verband Initiative Handarbeit anlässlich der h+h cologne, der weltweit führenden Fachmesse (Handarbeit + Hobby, 23. bis 25. März), in Köln vorstellte.

 

Handarbeitsstudie: Nähen, Stricken und Co. bleiben als Hobby beliebt

Handarbeiten zählt weiterhin zu den beliebten Freizeitbeschäftigungen: Fast zwei Drittel der Frauen in Deutschland betreiben zumindest ab und zu Handarbeit, so die repräsentative Studie der GfK Nürnberg zum Nutzungsverhalten Handarbeit in Deutschland. Wir sehen eine Verjüngung unter den Handarbeiterinnen.

Am häufigsten ausgeübt werden laut GFK das Nähen mit 40 Prozent und das Stricken mit 28 Prozent, so das Umfrageergebnis der im Auftrag der Initiative Handarbeit erfolgten Befragung.

 

Spaß und Entspannung – die wichtigsten Gründe für das Selbermachen

Der Spaß am Selbermachen wird am häufigsten als Grund für das Handarbeiten genannt (49 Prozent). „Kann mich dabei entspannen, vom Alltagsstress ablenken“ nannten 36 Prozent als Treiber. Für 35 Prozent der Befragten ist das Schaffen individueller Produkte der wichtigste Beweggrund.

Am liebsten nähen, stricken oder häkeln die Befragten Bekleidung für Erwachsene (43 Prozent) und für ihr Zuhause (34 Prozent). Auf Platz 3 folgt Bekleidung für Kinder (31 Prozent). Eine Ausnahme machen die ganz jungen Handarbeiterinnen: Die 14- bis 19-Jährigen machen vor allem Accessoires gerne selbst. Gehandarbeitet wird vor allem für sich selbst (71 Prozent). 68 Prozent der Befragten sind auch für die eigene Familie kreativ, vor allem für ihre Kinder.

Die Übersicht zeigt die Projekte, die von der Handarbeiterin realisiert werden. Auffällig insbesondere die Jüngeren legen den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf Accessoires.

 

Einkaufsquellen Handarbeitsbedarf

Eine immer größere Rolle spielt beim Handarbeiten das Internet: Es hat sich zu einer der wichtigsten Inspirationsquellen entwickelt (21 Prozent, 2014: 10 Prozent) und wird zunehmend auch zum Einkauf von Materialien genutzt (16 Prozent, 2014: 9 Prozent). Auf der anderen Seite schätzen es Handarbeits-Fans aber offenbar auch, offline zu shoppen, Stoffe und Garne anfassen zu können und sich persönlich beraten zu lassen. Denn hauptsächlich werden Stoffe, Garne und Nadeln nach wie vor im Fachgeschäft gekauft (57 Prozent, 2014: 54 Prozent). Aus Sicht der Initiative Handarbeit ist der Fachhandel vor Ort in der Vertriebslandschaft unverzichtbar, auch wenn vielfältige Herausforderungen bewältigt werden müssen.

Gesamtmarkt bleibt auf hohem Niveau

Handarbeiten ist als Hobby nicht wegzudenken – gleichzeitig konkurriert es aber auch mit vielen anderen Aktivitäten um die meist knappe Freizeit. Das zeigt sich auch an den aktuellen Marktzahlen, die auf der h+h cologne bekannt gegeben wurden. Der Gesamtmarkt für Handarbeitsbedarf in Deutschland wird 2017 mit 1,22 Milliarden Euro beziffert, gemessen an Endverbraucherpreisen. Das Marktvolumen bleibt damit auf einem hohen Niveau, liegt aber ganz leicht unter den Ergebnissen des Vorjahres (2016: 1,25 Milliarden Euro).

Größtes Einzelsegment bleibt das Nähen: Allein bei Stoffen wurde ein Umsatz von 450 Millionen Euro verzeichnet (2016: 465 Millionen Euro), hieß es auf der international wichtigsten Fachmesse. Ein weiterer Gradmesser dafür, dass der Näh-Boom der vergangenen Jahre weiter anhält, sind die Umsatzzahlen bei Nähmaschinen: Sie stiegen von 170 Millionen Euro in 2016 auf 175 Millionen Euro in 2017.

Der Gesamtumsatz bei Kurzwaren lag bei 183 Millionen Euro (2016: 180 Millionen Euro). In diesem Segment sind die Nähgarne mit 52 Millionen Euro (2016: 49 Millionen Euro) am umsatzstärksten, gefolgt von Hartkurzwaren (40 Millionen Euro/2016: 40 Millionen Euro) sowie Knöpfen (31 Millionen Euro/2016: 31 Millionen Euro).

Ein verändertes Strickverhalten hat sich auf die Umsatzzahlen im Bereich der Handstrickgarne ausgewirkt: Hier wurde ein Umsatz von 355 Millionen Euro erzielt (2016: 375 Millionen Euro). Gestrickt wird insgesamt nicht weniger – es werden auf der einen Seite aber mehr kleine Projekte und auf der anderen Seite mehr aufwendige und zeitintensive Projekte angefertigt.

 

Impulse geben: Die Aktionen der Initiative Handarbeit 2018

Die Handarbeits-Szene hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Sie ist jünger, modischer und vielfältiger geworden. Auf der einen Seite gibt es die DIY-Fans, die über umfassende Kenntnisse verfügen, viel Zeit investieren und möglichst professionelle Ergebnisse erzielen möchten. Auf der anderen Seite findet sich eine große Gruppe, die Lust auf Experimente hat, gerne Neues ausprobiert und schnell etwas in der Hand halten möchte. Die Initiative Handarbeit gibt mit ihren für 2018 geplanten Aktionen und Neuerungen beiden Zielgruppen Impulse und Inspirationen:

 

Tag der Handarbeit

Der Tag der Handarbeit steht bei der DIY-Community fest im Kalender. In diesem Jahr wird am 9. Juni wieder gemeinsam und öffentlich gehäkelt, gestrickt und genäht. 2018 lautet das Motto für unsere DIY-Charity-Aktion „Komm ins Team Superheld!“.

Handarbeits-Fans können sich auf www.initiative-handarbeit.de Anleitungen für drei coole Superhelden zum Selbermachen kostenlos herunterladen. Für jeden auf Facebook, Instagram oder Pinterest geposteten, selbstgemachten #superhelden spendet die Initiative Handarbeit 5 Euro zugunsten der Bildungsprojekte von SOS Kinderdorf. Und wer seinen Superhelden verschenken möchte: Die Initiative Handarbeit sammelt die kuscheligen Spenden und übergibt sie nach Ende der Aktion an die SOS Kinderdörfer. 2017 sind mehr der Aktion über 6000,- € für die Bildungsprojekte von SOS Kinderdörfer zusammengekommen und viele Superhelden entstanden.

 

Mach Dein Ding

Runde Nummer 3 für unseren großen Taschen-Nähwettbewerb für alle Hobbyschneider: Designerin Anke Müller vom Label cherrypicking hat für #machdeinding2018 den „So wie ich“-Rucksack entwickelt – ein anspruchsvolles Schnittmuster, das Handarbeitsbegeisterten unendlich viele Möglichkeiten bietet, ihr ganz eigenes Ding zu nähen. Als Belohnung für die tollsten Taschen winken insgesamt 500 Euro Shopping-Geld sowie zahlreichen Sachpreise.

 

Jungdesigner gesucht

Große Chance für junge Talente: Der Nachwuchsdesigner-Wettbewerb gibt Modedesign-Studenten die Chance, für den Branchenverband eine eigene Kollektion entwerfen. Der Wettbewerb richtet sich an Studenten, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und so die Möglichkeit bekommen, sich einer großen Öffentlichkeit professionell zu präsentieren.

 

Neu: Die Mini-Kollektion

Handarbeit ist kompliziert und braucht viel Zeit? Stimmt. Es geht aber auch ganz anders. Die neuen Mini-Projekte der Initiative wurden speziell für alle entworfen, die schnelle und einfach zwischendurch nachzuarbeitende DIY-Ideen suchen – perfekt für Handarbeitseinsteiger und für alle, die gerne mal etwas Neues ausprobieren möchten.

 

Buchprojekt: Hält Handarbeit Herz und Gehirn gesund?

Können Handarbeiten und das kreative Gestalten sich positiv auf die Gesundheit und die Lebensqualität auswirken? Nach dem derzeitigen Kenntnisstand, so die Neurowissenschaftlerin Dr. Edda Jaleel, kann sich durch das Handarbeiten bei zunehmendem Lebensalter das Risiko von Herz- und Gehirnerkrankungen verringern. Denn Handarbeit unterstütze nachweislich die Selbstregulationsmechanismen des Menschen, fördere die Konzentration und baue Stress ab. Noch würden die diesbezüglichen Effekte jedoch unterschätzt. Im Rahmen eines von der Initiative Handarbeit geförderten Buchprojekts fasst Dr. Edda Jaleel aktuelle Daten zusammen und diskutiert sie vor neurowissenschaftlichem Hintergrund. Das Buch wird 2018 erscheinen.

 

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Kontakt:

Angela Probst-Bajak

+491714600321

kontakt@initiative-handarbeit.de