Sticken im Quadrat

Impuls für den Unterricht – Quadratisch, praktisch, gut – so wie Pixelauflösungen, Rastergrafiken, die in Spalten und Reihen organisiert sind. Das diskrete Raster ist auch die logische Struktur der fadengebundenen Stickereien. Sie bleiben immer im Quadrat. So können auch traditionelle Kreuzstichmuster leicht in grafische Gestaltungen übertragen werden und umgekehrt. Gerasterte Untergrundmaterialien können bestickt oder Bilder gepixelt und dann wiederum im Quadrat nachgestickt werden.

Sticken mit der Hand hinterlässt auf dem Untergrund mit Hilfe von Nadel und Faden Spuren, so wie die Hand mit Stiften oder Pinseln auch auf Papier Buchstaben, Linien und Zeichen hinterlässt. Sticken ist eine langsamere Technik als das Malen, Zeichnen oder Schreiben und es bindet Vorder- und Rückseite des Stoffes bei jedem Stich gleichzeitig mit ein. Die Künstlerin Barbara Nemitz meint, dass Sticken intensiver sei als Zeichnen (in Vallentin 2002, S. 23).

Wer stickt, geht einen Prozess der Entschleunigung ein, modern ausgedrückt des „slow downs“, so wie es mittlerweile „slow food, slow fashion“ oder „slow tech“ gibt. Es braucht Zeit und Geduld, mit Nadel und Faden eine Stoffoberfläche zu gestalten.

Das fadengebundene Sticken nutzt die Kett- und Schussfäden des Stoffes, die Quadrate bilden. Je dicker die Fäden des Stoffes sind, um so deutlicher sind die Quadrate zu erkennen.
Beim fadengebundenen Sticken, z.B. dem Kreuzstich, dem Gobelinstich oder der Hardangerstickerei, sind die Stickstiche genau an die Fadenkreuze des Untergrundes gebun­den, die von den Kett- und Schussfäden des Gewebes gebildet werden. Alle Stiche sind gleich groß und werden abgezählt.

Das fadengebundene Sticken ist ordnungsgebend und bildet klar strukturierte Muster aus, die sich an der rechtwinkligen Struktur von Kette und Schuss des Grundstoffes orientieren.
„Sticken im Quadrat“ bedeutet Motive auf die Kästchenstruktur hin zu vereinfachen. Es entstehen pixelähnliche Motivmuster, die dann mit konzentriertem Abzählen auf den Stoff gebracht werden müssen. Hohe Konzentration und sehr rhythmisches, gleichmäßiges Arbeiten sind gefordert. Wer sich auf den Kreuzstich einlässt und einige Zeit durchhält, erfährt eine Art meditative Versenkung in das Sticken, als wenn die gestickten Quadrate auch im Gehirn eine Strukturierung der Gedankenflüsse ermöglichen. Sticken erzeugt, wenn man es geübt ausführen kann, zu einem tiefen Flow-Effekt, der sich beruhigend auf die Psyche des Menschen auswirkt. Die derzeit aktuelle Crafting Bewegung wirbt mit Schlagworten wie Entschleunigung und Echt-Zeitkommunikation. Stickbotschaften brauchen Zeit und lassen sich nicht mal eben twittern oder simsen. Sie brauchen beide Hände und es entsteht ein tatsächlich be-greifbares Produkt in einem langwierigen Prozess, der Auswirkungen auf das Gehirn und die Kreativität hat (vgl. Kolhoff-Kahl 2012).

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